Fachbegriffe erklärt

Glossar

Im Darm tummeln sich etwa 100 Billionen Mikroorganismen - in der Mehrheit Bakterien. Sie bilden die Darmflora oder die Darmmikrobiota oder das Darmmikrobiom.
Während der Begriff Mikrobiota die Gesamtheit aller den Menschen besiedelnden Mikroben meint, kommen beim Begriff Mikrobiom auch ihre Gene und Stoffwechselprodukte dazu. Oft werden beide Begriffe allerdings bedeutungsgleich benutzt.

Die Gesamtheit aller Mikroben, die den Menschen besiedeln.

Zu dieser Bakteriengruppe zählen viele verschiedene Bakterienarten, die Kohlenhydrate ohne Sauerstoff - also anaerob - zu Milchsäure oder Lactat abbauen (Milchsäuregärung). Manche Vertreter bilden fast ausschließlich die namensgebende Milchsäure, andere produzieren weitere Produkte wie Essigsäure oder Ethanol und Kohlenstoffdioxid. Sie säuern also das Milieu an und hemmen somit das Wachstum verschiedener Krankheitserreger.

Zur Ordnung der Milchsäurebakterien gehören Laktobazillen und Bifidobakterien sowie Enterokokken und Streptokokken. Sie besiedeln den menschlichen Darm und die Scheide, kommen aber auch in der Milch vor, die sie eindicken (Joghurt) oder sauer machen können. Neben vielen gesundheitsfördernden Vertretern gehören Krankheitserreger wie Streptococcus pneumoniae (Lungenentzündung) oder Streptococcus mutans (Karies) dazu.

Vorteilhafte Arten der Milchsäurebakterien sind beispielsweise Lactobacillus acidophilus, L. rhamnosus, Bifidobacterium lactis und nicht-krankmachende Enterococcus faecalis im Darm oder als Probiotika-Bestandteile; Lactobacillus crispatus und L. gasseri in der Scheidenflora. Verschiedene Milchsäurebakterien werden zur Herstellung von Joghurt, Käse, Sauerrahmprodukten, Sauerteig und Sauerkraut genutzt.

Hierbei handelt es sich um „unverdauliche Nahrungsbestandteile, die den Wirt günstig beeinflussen, indem sie das Wachstum und/oder die Aktivität einer oder einer begrenzten Anzahl Bakterienarten, die bereits im Dickdarm leben, gezielt anregen und so die Gesundheit des Wirts verbessern“ (Gibson und Roberfroid, 1995). Sie verändern also günstig die Zusammensetzung der Darmflora, indem sie gesundheitsfördernde Bakterien ernähren.

Zu den Präbiotika zählen beispielsweise Inulin, Oligofruktose und resistente Stärke. Menschliche Verdauungsenzyme können die Substanzen nicht abbauen, daher gelangen sie unverändert in den Dickdarm. Dort verwerten Bakterien die Nahrungsbestandteile und bilden als Stoffwechselprodukte die wichtigen kurzkettigen Fettsäuren Buttersäure, Essigsäure und Propionsäure.

Während sich Antibiotika “gegen das Leben” richten, da sie Bakterien - keine Viren! - abtöten, wirken Probiotika über verschiedene Mechanismen gesundheitsfördernd „für das Leben“ (lat. pro bios).

Die Definition der WHO lautet: Probiotika sind „lebende Mikroorganismen, die dem Wirt - also dem Menschen oder Tier - einen gesundheitlichen Vorteil verschaffen, wenn sie in ausreichender Menge eingenommen werden.“
Andere Wissenschaftler zählen auch Präparate mit inaktivierten Bakterien zu den Probiotika: „Probiotika sind spezifische lebende oder inaktivierte mikrobielle Kulturen, die nachgewiesenermaßen das Risiko für menschliche Erkrankungen oder Ernährungsrisiken reduzieren.“ (Erika Isolauri, 2002)

Am häufigsten gibt es Präparate mit probiotischen Milchsäurebakterien. Daneben existieren auch andere Bakterien wie probiotische E. coli und Enterococcus faecalis oder Produkte mit medizinischer Hefe (= Pilze).

Um als Probiotika zu gelten, müssen die enthaltenen Mikroorganismen festgelegte Kriterien erfüllen:

  • Sie haben eine positive gesundheitliche Wirkung.
  • Sie sind gesundheitlich unbedenklich.
  • Sie weisen eine hohe Stabilität während Herstellung und Lagerung auf.
  • Sie haben eine hohe Vitalität.
  • Sie besitzen die Fähigkeit, sich an die Darmoberfläche anzuhaften.
  • Sie weisen eine hohe Toleranz gegenüber Magensäure und Gallensäuren auf.

Die letzten drei Punkte gelten für lebende Mikroorganismen.

Synbiotika kombinieren Pro- und Prebiotikum in einem Produkt.

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