Lactobacillus acidophilus LA-5®

Lactobacillus acidophilus LA-5® (kurz: LA-5®) ist ein gut untersuchter probiotischer Stamm aus der Gruppe der Milchsäurebakterien, der sich positiv auf die Verdauungsgesundheit auswirkt.
Bereits seit 1979 findet LA-5® Verwendung in Lebensmitteln und – in deutlich höherer Keimzahl – in Nahrungsergänzungsmitteln. Dabei wird LA-5® oft mit dem probiotischen Stamm Bifidobacterium lactis BB-12® kombiniert.

Bakterien unter dem Mikroskop.

LA-5® ist in über 150 wissenschaftlichen Publikationen beschrieben worden, wobei mehr als 60 dieser Veröffentlichungen Daten aus klinischen Studien am Menschen enthalten.

Während die strikt anaerob (= ohne Sauerstoff) lebenden Bifidobakterien bei Erwachsenen hauptsächlich im Dickdarm zu finden sind, leben die Sauerstoff-toleranten Laktobazillen vornehmlich im Dünndarm. Deshalb ist die Kombination von LA-5® und BB-12® sinnvoll. Studien beschrieben positive Effekte für diese Kombination wie beispielsweise:

Gliederung

Vorbeugender Einsatz gegen AAD und C. difficile-Infektionen

Fakt 1: LA-5® gut für die Darmgesundheit

Klinische Studien zeigten: Die Einnahme von LA-5®

  • senkte in Kombination mit BB-12 das Risiko für und die Dauer sowie Schwere von Antibiotika-assoziierten Durchfällen (AAD)(z.B. Chatterjee 2013)
  • schützte in Kombination mit BB-12 und LGG in 4 von 5 Fällen vor AAD bei erwachsenen Krankenhauspatienten (Wenus 2008)

Eine Laboruntersuchung (In-vitro-Studie) ergab

  • eine schützende Wirkung von Lactobacillus acidophilus LA-5® auf menschliche Epithelzellen: Die Toxizität (= Giftigkeit) und Kolonisierung durch C. difficile wurde deutlich verringert. (Najarian 2019)

Von LA-5® sezernierte bioaktive Moleküle konnten die Epithelzellen wirksam vor der Zytotoxizität und der Anhaftung von C. difficile schützen. Das bedeutet: LA-5® könnte zur Vorbeugung und Heilung von C. difficile-Infektionen und -Rezidiven (= Rückfällen) eingesetzt werden. (Najarian 2019)

Hintergrund zu AAD = Antibiotika-assoziierter Durchfall

Antibiotika helfen zwar meist gegen unerwünschte Keime, schädigen zusätzlich aber auch nützliche Darmbakterien und stören so die Abwehrfähigkeit der Darmmikrobiota gegenüber Krankheitserregern. Deshalb reagieren viele Menschen mit Durchfällen auf eine Antibiotika-Einnahme.

Besonders der Keim Clostridioides (früher Clostridium) difficile kann sich nach einer (Breitband-)Antibiotika-Behandlung – vor allem bei geschwächten Personen in Krankenhäusern – übermäßig vermehren und gefürchtete Durchfallerkrankungen sowie starke Entzündungen im Dickdarm (= Pseudomembranöse Colitis) verursachen. Bei etwa einem von 100 antibiotisch behandelten Patienten muss mit einer C.-difficile-Infektion (CDI) gerechnet werden (RKI-Ratgeber Clostridium). Da die Behandlung einer CDI wiederum mit Antibiotika erfolgt, entsteht oft ein Teufelskreis aus rezidivierenden (= wiederkehrenden) Infektionen.

Die Einnahme von Milchsäurebakterien wie beispielsweise LA-5® begleitend zu einer Antibiose senkt das Risiko für eine C.-difficile-Infektion

Probiose begleitend zur Antibiose

2017 gab es zwei große Publikationen, in der es um die Prävention einer C.-difficile-Infektion nach einer Antibiotika-Gabe ging. Dabei erfolgte der Einsatz der Probiotika in Form von Milchsäurebakterien nicht nach, sondern begleitend zur Antibiose – und zwar erfolgreich:

Die Arbeitsgruppe um Nicole Shen führte eine Meta-Analyse (Shen 2017) mit mehr als 6.000 eingeschlossenen Patienten durch und zog folgenden Schluss:
Die prophylaktische Gabe von Lactobacillus-Arten in höherer Konzentration – alleine oder in Kombination mit anderen probiotischen Arten wie beispielsweise Bifidobakterien – ist für hospitalisierte Patienten empfehlenswert, um einer C.-difficile-Infektion vorzubeugen. Dafür sollte die Probiotika-Gabe spätestens innerhalb von zwei Tagen nach der ersten antibiotischen Dosis erfolgen. Denn die Probiotika konnten über 50 Prozent der C.-difficile-Infektionen unterbinden. Shen betonte die positiven Effekte der probiotischen Bakterien, Antibiotika-induzierte C.-difficile-Infektionen und -Durchfälle zu verhindern: Das spart Kosten, verbessert die Lebensqualität der Betroffenen und kann sogar Leben retten (Shen 2017) .

Eine Arbeitsgruppe um Goldenberg wertete für das internationale Cochrane-Netzwerk Daten von über 8.000 Patienten aus 31 Studien aus und bestätigte die Ergebnisse in einem Review-Artikel. Die Autoren beschrieben die Anwendung der Probiotika als sicher und effektiv. (Goldenberg 2017)

Bereits 1997 hatten schwedische Wissenschaftler den positiven Effekt einer begleitenden Probiose zu einer Antibiose beschrieben (Nord 1997):
Sie hatten 23 gesunden Studienteilnehmern ein Antibiotikum (Clindamycin) verabreicht und dazu entweder Kapseln mit LA-5® und BB-12® oder Placebo gegeben. Unter der Probiotika-Gabe wurde die Darmmikrobiota weniger geschädigt und erholte sich nach der Antibiose schneller. Außerdem gab es deutlich weniger C.-difficile-Infektionen.

Fakt 2: LA-5® produziert Wasserstoffperoxid und Bakeriozine

Laktobazillen leben nicht nur in unserem Darm, sondern sie sind auch natürliche Besiedler der Vagina  (= Scheide). Bei gesunden gebärfähigen Frauen dominieren in der Vagina normalerweise ein bis zwei Lactobacillus-Arten, meist L. crispatus, L. gasseri oder L. jensenii. Aber auch die Art Lactobacillus acidophilus kommt dort vor. Die genannten Lactobacillus-Arten produzieren Wasserstoffperoxid (H2O2), einen potenten Abwehrstoff, der hilft, das vaginale Ökosystem zu schützen und beispielsweise bei Schwangeren Frühgeburten zu verhindern (Saling & Schreiber 2005). Wie alle L. acidophilus-Stämme produziert auch LA-5® Wasserstoffperoxid.

Die Besiedlung der Vagina erfolgt zu einem großen Teil über den Darm. Deshalb stimmt bei gesunden Frauen im gebärfähigen Alter eine hohe Prozentzahl der Laktobazillen in Darm und Vagina überein. Eine gesunde Zusammensetzung der Bakteriengemeinschaft im Darm ist wichtig für ein gesundes vaginales Ökosystem.

Mittels der namensgebenden Milchsäure säuern Laktobazillen das Darm- und Scheiden-Milieu an. Dadurch können viele potentielle Krankheitserreger sich nicht ansiedeln oder vermehren. Zusätzlich produzieren viele Laktobazillen antimikrobielle Substanzen, sogenannte Bakteriozine. Damit setzen sie sich im Konkurrenzkampf mit anderen Bakterien erfolgreich durch. Wir Menschen profitieren dadurch ebenfalls, denn so bekämpfen die Laktobazillen in unserem Darm – und auch in der Vagina – viele unerwünschte Keime, die krankheitsauslösendes Potenzial haben. Acidolin und Acidophilin sind Beispiele für Bakteriozine der Art Lactobacillus acidophilus. Die Bakteriozine von L. acidophilus wirken beispielsweise gegen Staphylococcus aureus, Salmonella enteritidis, Bacillus cereus und Pseudomonas aeruginosa. (Han & Ren 2021)

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Saling E & M Schreiber Z Geburtshilfe Neonatol. 2005; 209(4):128-34. https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-2005-871305

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