Hilfe bei Giardienbefall

Was es über die Darmparasiten zu wissen gibt

Sie sind mikroskopisch klein, allgegenwärtig und können eine Gefahr für Mensch und Tier sein: Giardien. Dennoch wissen viele Tierhalter nur wenig über die parasitären Einzeller. Sie zählen zu den am häufigsten diagnostizierten Darmparasiten, die unter anderem Hund, Katze, Schaf, Schwein, Pferd, Kaninchen oder Menschen befallen können. Überträgt ein Tier den Erreger auf den Menschen, sprechen Ärzte von einer Zoonose. Als Überträger gelten vor allem Hunde und Katzen.

Je nach Alter sind in Deutschland durchschnittlich 2 bis 10 Prozent der Hunde und Katzen von Giardien befallen. Besonders gefährdet sind Welpen und junge oder abwehrgeschwächte Tiere. Der Kontakt mit den Erregern führt aber nicht automatisch zu einer Erkrankung – die Erreger brauchen einen empfänglichen Wirt. Das Infektionsrisiko steigt, wenn die Darmflora gestört oder die Abwehr geschwächt ist. Auch eine kohlenhydratreiche Ernährung kann die Erkrankung fördern. Wie bei den meisten übertragbaren Krankheiten sind besonders Tiere betroffen, die auf engem Raum zusammenleben.

Natürlicher Lebenszyklus von Giardien

Giardien kommen in zwei Formen im Darm vor: Im Dünndarm befinden sich die sogenannten Trophozoiten. Sie sind die aktive Form der Giardien, das heißt sie nehmen Nahrung – bevorzugt Kohlenhydrate – auf. Sie pflanzen sich im Dünndarm fort, indem sie sich zweiteilen. Jede Giardie besitzt zwei Zellkerne, vier Geißelpaare und eine Saugplatte. Damit hält sie sich an der Darmschleimhaut fest. Im Dickdarm angekommen, sind die Giardien von einer Schutzhülle umgeben: Sie haben sich zur Dauerform entwickelt, den sogenannten Zysten. Sie nehmen nun überhaupt keine Nahrung mehr auf und warten darauf, mit dem Kot ausgeschiedenen zu werden. Von nun an können sich Menschen und Tiere anstecken.

Einmal ausgeschieden, sind Giardienzysten sehr widerstandsfähig. Im feuchten Boden überleben sie etwa 7 Wochen, in 4°C kaltem Wasser sogar bis zu 3 Monate. Eine Infektion geschieht oral durch Schmutz- und Schmierinfektionen oder über infiziertes Futter und Trinkwasser. Es kann also bereits zu einer Übertragung kommen, wenn sich Hunde gegenseitig über die Schnauze lecken. Nach der Aufnahme löst sich die Zyste im Dünndarm des Wirtes auf und entlässt zwei Trophozoiten – der Kreislauf beginnt von vorn.

Nicht immer bricht Krankheit aus

Eine Infektion verläuft häufig ohne Symptome. Tiere können Zysten dauerhaft ausscheiden, ohne selbst zu erkranken. Oftmals bringt erst eine entsprechende Kotuntersuchung die Krankheit ans Licht. Infiziert sich jedoch ein junges oder geschwächtes Tier, kann die Dünndarmschleimhaut dauerhaft geschädigt werden. Der Grund: Heften sich die Parasiten mit ihrer Saugplatte an die Darmschleimhaut, kann es zu einer mechanischen Schädigung und Zerstörung der Zellen kommen. Die Folge sind Symptome wie

  • anhaltender oder immer wiederkehrender Durchfall
  • gelegentliches Erbrechen
  • schlechtes Allgemeinbefinden
  • wässriger, schleimiger, eventuell blutiger Kot
  • Abmagerung trotz guter Fütterung und meist vorhandenem Appetit, da die Dünndarmschleimhaut entzündet ist und Nahrung nicht mehr genügend aufgenommen werden kann
  • schwaches Immunsystem und Anfälligkeit für weitere Erkrankungen
  • struppiges, trockenes Fell

Eine spontane Abheilung durch die körpereigene Abwehr ist möglich – das kann kurzfristig oder erst nach Jahren geschehen. Schulmedizinisch behandeln Tierärzte einen Giardienbefall je nach Symptomatik und Allgemeinbefinden des Tieres durch ein spezielles Antiparasitikum.

Das können Sie vorbeugend tun:

  • Kothaufen immer einsammeln – um (Re-)Infektionen zu verhindern
  • auf Hygiene achten
  • die Abwehr stärken, zum Beispiel mit Hilfe von natürlichen Darmbakterien
  • getreidearm ernähren
  • artgerecht füttern