Überlastetes Immunsystem

Regelmäßiger Sport fördert die Gesundheit, das ist allgemein bekannt. Die Belastung trainiert den gesamten Körper: Die Ausdauer nimmt zu, Muskelmasse baut sich auf und das Immunsystem wird aktiver.

Für das Immunsystem gilt das aber nur bis zu einem bestimmten Grad der körperlichen Belastung. Leichte bis mittlere körperliche Anstrengungen wirken anregend auf die Produktion der Immunzellen. Steigt die Belastung im Leistungssport oder intensiven Freizeitsport aber über das normale Maß hinaus an, reagiert das Immunsystem plötzlich anders.

Der ursprünglich positive Reiz kehrt sich um und die Anzahl der immunologisch aktiven Zellen im Körper sinkt. Die Aktivität einzelner Immunzelltypen wie der Killerzellen nimmt dramatisch ab und der Nachschub der Immunzellen lässt nach. Das schwächt die gesamte immunologische Stoffwechselsituation und Eindringlinge wie Bakterien und Viren haben leichtes Spiel.

Das Open-Window-Syndrom

Das Immunsystem reagiert auf die anfängliche intensive Belastung mit einer deutlichen Erhöhung der weißen Blutzellen - der Leukozyten, die für die Abwehr von virusinfizierten Zellen eine wichtige Rolle spielen. In der Regenerationsphase sinkt die Anzahl der weißen Blutzellen dann unter den Ausgangswert vor der Belastung ab. Die Folge: der Körper ist anfälliger für Infekte. Das Phänomen ist als „Open-Window-Syndrom“ bekannt, das offene Fenster als Sinnbild für den ungeschützten Körper.

Das Open-Window-Syndrom fällt umso heftiger aus, je stärker die körperliche Aktivität ist und die damit verbundene erschöpfende Belastung für den Körper. Bereits ab Laufstrecken von mehr als 30 km pro Woche nehmen Atemwegsinfekte zu. Bei Strecken von mehr als 90 km pro Woche verdoppelt sich die Häufigkeit der Atemwegsinfekte sogar.

Leistungssportler haben ein erhöhtes Infekt-Risiko.