Reizdarmsyndrom: Therapie mit natürlichen Bakterien

Menschen mit Reizdarmsyndrom leiden stark unter den unangenehmen Symptomen. Trotzdem spielen Medikamente bei der Reizdarm Therapie nur eine untergeordnete Rolle, da die meisten die Symptome zwar lindern, die Ursachen aber nicht beseitigen. Eine Ausnahme bilden die medizinischen Probiotika - das sind Medikamente, die natürliche Darmbakterien enthalten.
Ernährungstherapien und Techniken der Psychotherapie wie die Aufmerksamkeitslenkung sind weitere hilfreiche Optionen in der Behandlung des Reizdarmsyndroms.

Menschen mit Reizdarmsyndrom leiden unter chronischen Darmbeschwerden, die sich als Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung und Blähungen äußern können. Häufig treten die Beschwerden im Wechsel auf. Besonders vor und während der Darmentleerung kann es beim Reizdarmsyndrom zu quälenden Blähungen und krampfartigen Bauchschmerzen kommen. Bei den Routineuntersuchungen findet der Arzt jedoch keine krankhaften Veränderungen der Organe.

Obwohl die Beschwerden das Wohlbefinden der Betroffenen stark beeinträchtigen, ist das Reizdarmsyndrom an sich nicht gefährlich. Im Gegenteil – da Menschen mit Reizdarmsyndrom meist besser untersucht sind als die Durchschnittsbevölkerung, werden Veränderungen an Darm und Darmschleimhaut frühzeitig erkannt und die Lebenserwartung steigt.

So stellt der Arzt das Reizdarmsyndrom fest

Das Reizdarmsyndrom ist eine Ausschluss-Diagnose, das heißt: schwere Erkrankungen wie chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Darmkrebs müssen vor der Diagnose ausgeschlossen werden. Dafür eignet sich zum Beispiel eine Darmspiegelung. Auch Lebensmittel-Allergien und -Unverträglichkeiten können Beschwerden wie Bauchweh, Durchfall und Verstopfung auslösen und müssen vor der Therapie abgeklärt werden. Nicht selten handelt es sich bei einem Reizdarmsyndrom in Wirklichkeit um eine unerkannte Lebensmittelallergie oder -unverträglichkeit.
Gerade Lebensmittel-Unverträglichkeiten können das Reizdarmsyndrom aber auch begleiten. Ein Ernährungstagebuch hilft bei der Suche nach unverträglichen Lebensmitteln. Der behandelnde Arzt kann bei einem Verdacht auf Allergien oder Unverträglichkeiten aber auch eine Untersuchung im Labor veranlassen.
Nicht selten geht das Reizdarmsyndrom auch auf eine zuvor durchgemachte Magen-Darm-Infektion zurück.

Veränderte Darmflora bei Reizdarm

Die Bakterien in unserem Darm bilden eine komlexe Gemeinschaft, die nicht nur mit sich selbst beschäftigt ist, sondern den Menschen versorgt und pflegt, in dem sie lebt. Die Darmflora hilft zum Beispiel bei der Verdauung der Nahrung, wehrt Krankheitserreger ab und versorgt die Darmschleimhaut mit Nährstoffen.
Allerdings stören wir die Darmflora oft bei ihren Aufgaben. Einseitige Ernährung, ein stressiger Lebensstil und die Einnahme von Medikamenten kann die Darmflora verändern und nützlichen Bakterien die Lebensgrundlage nehmen.
Wie Studien gezeigt haben, ist das bei Menschen mit Reizdarmsyndrom der Fall: die Darmflora ist weniger vielfältig und dadurch weniger stabil gegenüber äußeren Einflüssen.

Unterschwellige Entzündungen beim Reizdarmsyndrom

Und nicht nur die Darmflora ist verändert. Wie Studien gezeigt haben, sind auch unterschwellige Entzündungen bei Menschen mit Reizdarmsyndrom häufig. Stark ausgeprägte Entzündungen treten dagegen nicht auf.
Je nach Zusammensetzung kann die Darmflora Entzündungen fördern oder hemmen.
Verschiedene Darmbakterien wie zum Beispiel der natürliche Darmbewohner E. coli wirkt Entzündungen entgegen. E. coli kann außerdem selbst Abwehrsstoffe gegen unerwünschte Erreger bilden oder die Darmschleimhaut dazu anregen, mehr Abwehrstoffe freizusetzen.

Reizdarm Therapie mit E. coli

Das Reizdarm Medikament Symbioflor® 2 enthält das natürliche Darmbakterium E. coli in hoher Konzentration und Reinform. Die E. coli-Bakterien helfen, Defizite der Darmflora und der Darmschleimhaut auszugleichen. Die gestörte Darmflora kann so wieder ins Gleichgewicht kommen und die Verdauung reguliert sich.

Noch vor rund zehn Jahren setzten vor allem naturheilkundlich orientierte Ärzte bakterienhaltige Medikamente bei Reizdarm ein. Heute befindet sich die Behandlungsform in den Leitlinien zur Therapie des Reizdarmsyndroms und auch Schulmediziner nutzen die bakterienhaltigen Reizdarm Medikamente.

Schnelle Hilfe bei Reizdarmbeschwerden

Während Reizdarm Medikamente mit natürlichen Darmbakterien die Darmflora langfristig regulieren und damit auf die Ursachen des Reizdarmsyndroms abzielen, brauchen Betroffene bei akuten Beschwerden schnelle Hilfe. Welche Medikamente dann am besten geeignet sind, hängt davon ab, unter welchem Symptom der Betroffene am meisten leidet:

Der Verstopfungs-Typ profitiert von Ballaststoffen wie zum Beispiel Flohsamenschalen. Die Ballaststoffe regen die Darmtätigkeit an. Bei akuten Verstopfungen können Abführmittel mit Lactulose oder Lactitol helfen.

Für den Durchfall-Typ sind Quellmittel geeignet, die das überschüssige Wasser im Darm aufnehmen. Bei sehr heftigem Durchfall kann der Arzt Medikamente verschreiben, die die Darmbewegungen hemmen. Dadurch wird der Stuhl langsamer ausgeschieden. Bei den Medikamenten ist jedoch Vorsicht geboten, da sie stärkere Nebenwirkungen haben können.

Der Blähungs-Typ kann von einer Ernährungsumstellung profitieren. Im Akutfall können Medikamente helfen, die die Schleimschicht um die blähenden Gasblasen zerstören. So kann das Gas leichter entweichen.

Beim Schmerz-Typ können entspannende Medikamente oder Naturstoffe wie das Pfefferminzöl eingesetzt werden. Sie entspannen die Magen-Darm-Muskulatur und lindern damit Bauchschmerzen. Bei sehr starken Schmerzen kann der Arzt auch Antidepressiva in niedriger Dosierung verschreiben.

Blähungen über die Ernährung lindern

Wurden Unverträglichkeiten gegen bestimmte Lebensmittel nachgewiesen, ist es am besten, die Lebensmittel vorläufig vom Speiseplan zu verbannen.

Unabhängig von den klassischen Allergien und Unverträglichkeiten kann auch eine FODMAP-arme Ernährung die Beschwerden lindern: FODMAP steht für fermentierbare Oligo-, Di- und Monosaccharide und Polyole. Die Begriffe klingen gefährlich, bezeichnen aber nur verschiedene Zuckerarten wie Fruchtzucker und Milchzucker und Zuckeraustauschstoffe wie Sorbit und Xylit. Die Darmbakterien bauen die aufgenommenen Zucker und Zuckeraustauschstoffe ab und setzen dabei Gas frei, die dann die unangenehmen Blähungen auslösen.

Es gibt noch eine Reihe anderer Lebensmittel, die Beschwerden verursachen können. Ein Ernährungstagebuch hilft, den Störenfrieden auf die Spur zu kommen. Es kann auch sinnvoll sein, sich an einen Ernährungsexperten zu wenden. Er kennt sich mit der Wirkung der einzelnen Lebensmittel auf den Körper bestens aus und kann bei der Auswahl geeigneter Lebensmittel helfen.

Direkter Draht zwischen Bauch und Kopf

Die Darmbeschwerden können aber auch auf psychische Belastungen zurückgehen. Beim Reizdarmsyndrom wird die enge Verbindung zwischen Gehirn und Bauch deutlich. Das Nervensystem im Darm ist dem in unserem Kopf sehr ähnlich. Über einen dicken Nervenstrang - den Nervus vagus - sind beide Teile des Gehirns miteinander verbunden und stehen in ständigem Austausch. Deshalb sprechen Ärzte und Wissenschaftler auch von einem „Kopfhirn“ und einem „Darmhirn“. 

Wenn wir darauf achten, bemerken wir die Verbindung zwischen Kopf und Bauch: in Stress-Situationen wird uns zum Beispiel vor Aufregung schlecht, eine lange Schlange vor der Toilettentür kann spontane Verstopfungen hervorrufen. Ebenso wie sich momentane Situationen auf die Darmfunktionen auswirken, können weiter zurückliegende traumatische Erfahrungen das Bauchhirn beeinflussen. Für das Kopfhirn sind diese Zusammenhänge seit langem bekannt, beim Bauchhirn überrascht die Verbindung noch. 

Beim Reizdarmsyndrom verschlimmert psychischer Stress die Beschwerden. Durchfall, Blähungen, Verstopfung und Krämpfe werden stärker. Stress kann auch die Zusammensetzung der Darmflora verändern. Andererseits können die chronischen Beschwerden des Reizdarmsyndroms psychisch belasten.

Für die psychische Komponente des Reizdarmsyndroms eignen sich Techniken der Psychotherapie wie die Aufmerksamkeitslenkung und die Veränderung der Lernbedingungen für den Darm. Eine weitere Möglichkeit ist die progressive Muskelentspannung.